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Kanatoluwa, das Dorf der "Unberührbaren"

Ein Projekt, das aus dem Rahmen fällt.

Können Sie sich vorstellen, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch Dörfer gibt, die inmitten anderer Gemeinden liegen, deren Bewohner aber seit 500 Jahren von den Außenstehenden gemieden und verachtet werden? Und das aus Gründen, um die man heute kaum noch weiß. Alte Vorurteile sagen aus: Man darf diesen Menschen nicht die Hand reichen oder ihnen in die Augen schauen, sonst würde man daran erkranken. Sie dürfen seit Generationen nur vom Betteln leben. So ist es den Bewohnern des Dorfes Kanatoluwa ergangen.

Als wir im Oktober 2006 dorthin geführt werden, finden wir erbärmliche Zustände vor: Die Brunnen ohne Wasser und mit Unrat gefüllt, Schule und Kindergarten am Zusammenfallen, nur schlammige Lehmwege mit tiefen Löchern. Die Bewohnern wurden von allen Menschen wie auch von den staatlichen Behörden gemieden. Sie hatten weder Geburtsurkunden noch Ausweise. Jahrhunderte lang hatten sie keine richtigen Namen, sondern wurden Ratte, Katze, Schwein, Affe usw. genannt.

Die Lehrer der Schule sind in dieses Dorf zwangsversetzt, und auch sie wollten den Kindern nicht in die Augen schauen. Folgerichtig hatten die meisten Bewohner keine Schulausbildung, können nicht schreiben und lesen. Sie durften keine Pflanzen wie Gemüse und Obst anbauen, sie hatten keine Ahnung, wie man ein Kleid näht, wie man tanzt und singt. Sie durften keine Tiere halten usw. Sie waren alle zum Betteln verdammt und gingen täglich weite Wege, um nicht erkannt zu werden. Sie mussten 10 km laufen, um mit einem Eimer Wasser zurückzukehren.

Oktober 2006 - das kulturelle und soziale Leben entfaltet sich

Im Oktober 2006 wurden wir in das Dorf gerufen. Wir sahen die unbeschreiblichen Zustände und begannen sofort mit Plänen und Aktionen. Was inzwischen geschehen ist, grenzt fast an ein Wunder.

Inzwischen gibt es drei neue Brunnen, die von uns gebaut wurden und sauberes Wasser liefern.  Wir bauten innerhalb von 2 Monaten eine Gemeindehalle, um die Menschen zusammenzubringen und Lernprogramme für Erwachsene und Kinder zu starten.
Jetzt hat Jung und Alt die Gelegenheit, all das zu lernen und zu erfahren, was ihnen in so langen Zeiten vorenthalten wurde. Inzwischen wird das Gemeindezentrum mehr und mehr genutzt für religiöse Aktivitäten, für eine Sonntagsschule, für Nähunterricht, für Tanz-, Gesang- und Schauspielkurse entsprechend der alten kulturellen Gepflogenheiten, für Nachhilfeunterricht der Schüler, für Ausstellungen, Feste, Totenfeiern, Hochzeitsfeiern usw.

Kindergarten und Gemeindezentrum

Am 15. August 2008 wurde ein neuer von uns erbauter Kindergarten feierlich eröffnet. Da die Kinder dieses Dorfes überwiegend unterernährt waren - mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen wie Würmer im Magen und Darm, teilen wir seit langem täglich ein Mittagessen an die Kinder der Schule und des Kindergartens aus. Bestandteil dieser Mahlzeiten ist auch frische Milch, die das Dorf vorher nicht gekannt hat. Aufgrund unserer Vorträge für gesunde Ernährung, Hygiene und Erziehung sind auch die Erwachsenen dazu übergangen, frische Milch zu trinken.
Der von uns erbaute Kindergarten (der schönste in der Umgebung) ist inzwischen so anerkannt, dass langsam auch einige Mütter aus den Nachbardörfern ihre Kinder dorthin bringen.
Noch freudig zu erwähnen: Wir erhielten Hilfe von einer Gruppe junger Männer, die aus dem tiefen Süden die weite Anreise mit dem Bus (8-Stunden) auf sich genommen haben, um die Wände des Kindergartens wundervoll zu bemalen mit z. B. Lebensgroßen Elefanten, Sonne und Mond usw.
Warum haben sie das getan? Sie wollten sich bei uns dafür bedanken, dass wir auch in ihrem Heimatdorf ein Gemeindezentrum erbaut haben. Auch da haben sie fleißig mitgewirkt.

Vielen Dank an unsere Spender und Unterstützer

Wir sind so glücklich und stolz darüber, was in kurzer Zeit aus einem früher schier unmöglich erscheinenden Vorhaben geworden ist! Ein Gebäude mitten in den Slums wird zu einem anerkannten, kulturellen und sozialen Mittelpunkt und einem viel besuchten Fortbildungszentrum. Der Einsatz hat sich gelohnt! Unser großer Dank gilt unseren Spendern und dem Mönch, der das Zentrum leitet. Ohne ihn und Sie wäre das alles nicht möglich gewesen.